Antworten & Fragen


Ein Arbeitsbuch von Mary Burmeister heißt „Antworten und Fragen“. Hierbei handelt es sich nicht um eine versehentliche Vertauschung der Worte. Vielmehr drückt sie damit etwas aus, dem wir bei der Beschäftigung mit Jin Shin Jyutsu immer wieder begegnen werden: kaum haben wir die Antwort auf eine Frage erhalten, ergibt sich daraus gleich die nächste Frage. Das erscheint einem zu Beginn vielleicht manchmal beschwerlich. Gleichzeitig ist es der Beginn eines  hochinteressanten und  - wenn man möchte - lebenslangen Studiums.

In diesem Sinne hier der Versuch, auf ein paar Fragen erste Antworten zu geben, aus denen sich aber sicher wieder neue Fragen ergeben werden.

Woher kommt Jin Shin Jyutsu?

Jin Shin Jyutsu gilt allgemein als eine japanische Harmo­nisierungs- oder Heilkunst. Auch wenn ihr (Wieder-)Entdecker Jiro Murai aus Japan stammt, kann man doch viele Parallelen zu anderen Heil­künsten und Philosophien aus aller Welt entdecken. Das Jin Shin Jyutsu kann daher als eine universelle Heilkunst angesehen werden.

Wie spricht man das bloß aus?

Mit ein wenig Übung hört es sich irgendwann in etwa wie „Dschin Schin Dschiutsu“ an.

Was bedeutet Jin Shin Jyutsu übersetzt?

Frühere Namen dieser Kunst beinhalteten Begriffe wie Langlebigkeit und Glücklichsein. Später wurde Jin Shin Jyutsu als “die Kunst des Schöpfers durch den mitfühlenden Menschen” übersetzt. Mary Burmeister interpretierte den Begriff als  “Die Kunst, mich selbst kennen zu lernen” bzw. “Die Kunst, mir helfen zu lernen”.

Was passiert während einer Sitzung?

Eine Sitzung dauert normalerweise ungefähr eine Stunde – bei Säuglingen, Kindern oder sehr geschwächten Menschen ist die Behandlungszeit kürzer.

Man liegt bekleidet auf einer Liege, während auf den individuellen Bedarf einer Person abgestimmte Sequenzen gehalten werden. Es wird weder massiert noch Druck ausgeübt, die Muskeln werden nicht gedehnt oder anders bewegt und es kommen auch keine Medikamente oder sonstige Substanzen zum Einsatz. Stattdessen ist es ist eine sanfte Kunst, die ausgeübt wird, indem man die Hände einfach auf bestimmte Körperstellen legt, um so den Fluss der Energie zu harmonisieren. Diese Anwendung nennt man auch "Strömen". Konkret wird dabei mit 26 „Sicherheits-Energieschlössern“ gearbeitet. Sie liegen am Körper im Verlauf der Energiebahnen, die Leben in unseren Körper bringen.

Wie funktioniert dieses „Strömen“?

Die Anwendung von Jin Shin Jyutsu beruht auf der in vielen Traditionen verbreiteten An­nahme, dass es eine Form von Energie gibt, die neben Blut und Lymphen durch unseren Körper fließt und ihn ener­getisch ver­sorgt. Die Energie nutzt dafür bestimmte Wege, die z.B. in der Tradi­tio­nellen Chine­sischen Medizin als Meridiane be­zeich­net werden.

Kommt es jetzt aus unterschied­lichen Gründen zu Stauungen und Blockaden auf diesen Wegen, können körperliche und psychische Beschwerden entstehen. Ähnlich wie bei einem Fluss, der durch einen Damm gestaut wird, entstehen auch im Energiefluss bestimm­te Phänomene. Hinter der Blockade fehlt die Energie und verursacht entspre­chende Mangel­erscheinun­gen, vor der Blockade kommt es zur Aufstauung und Über­lastung des Bereichs. Was nun folgt, erscheint einigen zunächst sehr mysteriös, ande­ren zu simpel. Hat man es erst einmal selber erlebt, erscheint es einem nahe liegend und natürlich: durch einfaches Berühren be­stimmter Bereiche am Körper (der sogenannten Sicherheits-Energieschlösser) wird die Energie an den blockierten Stellen wieder zum Fließen – zum Strömen – gebracht. Der Stau kann sich je nach Härte und Ausmaß nach einiger Zeit auf­lösen und die Beschwerden werden weniger.

Wofür kann man es gebrauchen? Hilft das bei allem?

Die Erfahrung zeigt, dass es wenig gibt, für das man das Strömen nicht wenigstens auspro­bieren könnte. Es gibt zu fast jedem Krankheitsbild oder sonstiger schwieriger Lebenssituation mindestens einen Bericht, dass sich durch das Strömen die Be­schwerden besserten oder die Lage zu­min­dest gelindert werden konnte.

Das bedeutet umgekehrt na­türlich nicht, dass Jin Shin Jyutsu immer und überall und jedem in jeder Situation Heilung bringen kann. Jin Shin Jyutsu beansprucht auch nicht, medizinische Behandlungen zu ersetzen. Manchmal kann es aber eine sinnvolle Ergänzung sein.

Die eigentliche Stärke von Jin Shin Jyutsu liegt in der vorbeu­genden, regelmäßigen Anwen­dung – meist als Selbsthilfe, gelegentlich auch unterstützt durch eine Fremdanwendung.

Selbst strömen kann man dann im Stau auf der Autobahn, in der Schlange vor der Super­markt­kasse, auf Ess­zimmertischen in privaten Wohnzimmern oder in orga­nisierten Strömgruppen.

Anwendung findet es aber auch in immer mehr Heil- und Kranken­gymnastikpraxen, im Kran­ken­haus, in der Hospizarbeit, in Altenheimen, in Kindergärten und Schulen, in Gefäng­nissen und bei Tieren – der Phantasie sind wenig Grenzen gesetzt!

Wie fühlt es sich an, wenn es „strömt“?

Die Empfindungen, wenn man sich oder oder andere strömt, sind so vielfältig und zahlreich wie Menschen unterschiedlich sind.

Es fängt damit an, dass man – gerade zu Be­ginn – häufig nichts oder nicht viel spürt. Ein Pulsieren ist später eine vielfache Beobachtung. Mit der Zeit wird man beim Pulsieren Unter­schiede wahrnehmen: Schnelligkeit, Lautstär­ke, Rhythmus, Härte, Regel­mäßigkeit und Qualität variieren. Gelegentlich gibt es auch spe­ziellere Eindrücke: manchmal fühlt sich eine Stelle heiß an, anderswo kalt. Es gibt Taub­heitsgefühle, das Gefühl, an einen Elektrozaun zu fassen oder in einen Amei­senhaufen zu greifen. Man­ches Ertastete erinnert an eingearbeitete Steinplatten, gespannte Drahtseile, zähe Gummibänder, Wattebäu­sche oder auch Verhär­tungen, die kleinen Tauben­eiern gleichen.

Dies sind nur einige Beispiele von vielen. Ent­scheidend ist, dass es kein „richtig“ oder „falsch“ bzw. „gut“ und „schlecht“ gibt. Es gibt nichts, was man spüren muss. Wichtiger ist das Gefühl von Entspannung und Wohlsein, wenn die Energie wieder ins Fließen kommt. Dies macht sich dann übrigens häufig durch dezentes oder auch laute­res Bauchgurgeln bemerkbar!

Da muss man aber schon dran glauben, oder?

Ja, das denken viele, aber nein, es stimmt nicht!

Eine Diskussion über Placebo-Effekte, die genauso die Schulmedizin wie alternative Heilformen betreffen, sei an dieser Stelle gespart. Die Praxis zeigt ganz eindeutig, dass die Wirkung von Jin Shin Jyutsu über Placebo-Effekte hinausgeht, auch wenn dies wissenschaftlich noch schwer nach­zuweisen ist.

Es gibt viele Menschen, die zunächst sehr skeptisch ans Strömen heran­gehen. Fälle wie diesen z.B. gibt es immer wieder: „Ich sage Ihnen gleich, ich glaube da nicht dran. Ich bin nur hier in der Praxis, weil meine Frau mich geschickt hat.“ Manch einer von ihnen stand dann nach einer Stunde doch höchst erstaunt von der Liege wieder auf…

Sollte ich auf irgendetwas achten, wenn ich zu einer Sitzung gehe?

Es ist zu empfehlen, bequeme Kleidung zu tragen und evtl. ein Paar warme Socken mitzunehmen. Vor einer Sitzung sollte man möglichst keine schwere Mahlzeit zu sich zu nehmen.

Wie schnell wird sich etwas durchs Strömen verändern?

Jeder Mensch begibt sich beim Strömen auf seine eigene Reise. Welche Stationen als erstes erreicht werden und wie schnell dies geht, ist völlig individuell. Regelmäßige Behandlungen und vor allem die konsequente Anwendung von Selbsthilfe sind ein guter Weg, um mit den gewünschten Veränderungen zu beginnen. Der eigentliche Gewinn des Strömens ist, das man etwas erhält, das einen durch das Leben mit seinen Veränderungen begleitet. Dies kann eine wertvolle Hilfe im Akutfall sein und ebenso ein treuer Begleiter in allen Lebenslagen.

Wieviele Sitzungen werde ich brauchen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Abhängig davon, um welches Projekt es sich handelt, wie lange es schon da ist und wie bereit man für Veränderungen ist, wird es die Zeit dauern, die es braucht, um die Blockade aufzulösen.

Die Frequenz und Regelmäßigkeit der Einzelsitzungen ist deswegen sehr unterschiedlich. Manche Menschen genießen es, sich zum regelmäßigen „Auftanken“ z.B. wöchentlich oder monatlich strömen zu lassen. Andere kommen für eine punktuelle Unterstützung zu ein paar Sitzungen. Manchmal ist auch eine Intensivbehandlung mit mehreren Sitzungen innerhalb eines kurzen Zeitraums sinnvoll.

Wo kann ich in meiner Gegend jemanden finden, der Jin Shin Jyutsu praktiziert?

Auf der Seite www.jinshinjyutsu.de gibt es eine Datenbank für Praktikerinnen und Selbsthilfelehrer.

Wie kann ich es selber lernen?

Es gibt einige fundierte und praxistaugliche Bücher zum Jin Shin Jyutsu (s. Mediathek). Sie geben einen ersten Einblick und schnelle Erste-Hilfe-Tipps für den Hausgebrauch.

Wer tiefer einsteigen und mehr über die Hintergründe erfahren möchte, kann bei autorisierten Jin Shin Jyutsu-Prak­tikern Selbsthilfekurse besuchen. In den insgesamt 3 Kursen – nor­maler­weise jeweils ein Wochenende – lernt man viel über Organ­ströme, Sicherheits-Energieschlösser und „Geheim­nisse“ unserer Hände und Füße. Der Schwerpunkt der Kurse liegt – wie der Name verrät – auf der Selbstan­wen­dung. Dann heißt es: üben, ausprobieren, experimentieren…

Für die Anwendung bei anderen empfiehlt sich im nächsten Schritt der Besuch von 5-Tage-Kursen, die an verschiedenen Orten in Deutschland angeboten werden. Einen Überblick über alle Kurse gibt das Europa-Programm. Desweiteren gibt es Spezial- und Themenkurse sowie ein Mentorenprogramm für die weitere Vertiefung.

Wie funktioniert das Fingerhalten? Muss ich dabei auf etwas achten?

Die einfachste Selbsthilfe, mit der man sofort starten kann, ist das Halten der Finger. In unseren Fingern (und ebenso in unseren Zehen) ist bereits alles enthalten, was fürs Strömen wichtig ist. Wir brauchen nicht viel über Jin Shin Jyutsu zu wissen, um es auf einfache Weise für uns selber anzuwenden.

Gerade zu Beginn gibt es viele Sorgen und Fragen zum Finger­halten, um nur nichts falsch zu machen. Zum Glück geht das gar nicht! Grundsätzlich gilt:

  • Es gibt keine bestimmte Art, wie die Finger gehalten werden sollen. Hauptsache bequem!
  • Es gibt keinen falschen Finger oder die falsche Seite. Einfach nach Gefühl gehen!
  • Man kann mehrere Finger gleichzeitig halten oder sie nacheinander halten. Die Reihen­folge kann man selber bestimmen.
  • Man muss nicht alle Finger halten, sondern kann sich welche aussuchen.
  • Man kann sich selbst die Finger so lange oder so kurz halten, wie man will. Man bekommt ein Gefühl dafür, wann es genug ist.
  • Man kann überall und immer seine Finger halten.

Mehr zum Fingerhalten erfährt man in den Selbsthilfekursen.